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Immer nur Chanel N°5, das war diesen jungen Berlinern zu langweilig. Auf der Suche nach neuen Düften haben sie eine Traditionsfirma entdeckt – und wiederbelebt.

„Immer das Gleiche“, sagt Tamas Tagscherer, ein abschätziger Blick, die Hand fällt lustlos auf das Knie zurück, „riecht einfach immer gleich.“ Um ihn herum sind zahllose Flakons aufgebaut: alte Phiolen, filigranes Glaskristall und bauchige Flaschen. Parfümerie, das heißt für sie auch: Kunst. Die geübte Nase kann einzelne Inhaltsstoffe aus vielen tausenden Aromen herausriechen. „Es ist wie mit der Musik“, sagt Lorina Speder und sprüht Parfüm auf eine papierne Testkarte. „Wenn man sich konzentriert, kann man die einzelnen Instrumente heraushören.“ Sie selbst trägt „Treffpunkt 8 Uhr“. Allein der Name klingt eher nach Sinfonie als Popsong.

Tagscherer, 30, und Speder, 25, haben zusammen mit dem Verpackungsdesigner Lutz Herrmann eine neue Parfümmarke aufgebaut, die eigentlich schon Jahrhunderte alt ist. Der Name „J.F. Schwarzlose Söhne“, vor Jahrzehnten aufgegeben und vergessen, ist seit kurzem in neuem Gewand wieder auf dem Markt.

Nischenparfüm wollen Tagscherer und Speder verkaufen. Parfüm, das anders ist: voller Geschichte, würziger oder auch fruchtig – und umtriebig wie Berlin. Mit bis zu 20 Prozent Parfümöl, das das Aroma länger speichert; normales Eau de Toilette kommt selten über fünf Prozent hinaus.

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