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In der Interview-Reihe „Schöner Scheitern“ erzählen Gründer von ihren Misserfolgen, kleinen Niederlagen und großen Erfahrungen.

 

Das Treffen ist in einem Hinterhof am Berliner Ostkreuz. Klinkerbau, fünfter Stock. Darunter ein Hot Yoga Studio, 38° C Betriebstemperatur. Der Fahrstuhl öffnet nur langsam die Türen zu einem Vorraum mit alten Fahrrädern. Der Coworking-Space hingegen, in dem Vanessa Lewerenz-Bourmer nun arbeitet, ist aufgeräumt, modern, fast clean. Ein Empfangstresen, ein Sofa, viele Rechner. Es ist still. Gedämpftes Licht, schummrig.

Für das Interview führt Vanessa in einen kleinen Konferenzraum mit gekalkten, kalten Wänden. Große Glastrennwände schirmen vom Großraumbüro ab. Schon vor der ersten Frage beginnt sie mit den Antworten:

Ich sehe Scheitern eher wie eine schlechte Note im Mathe-Test. Du hast halt mal eine Fünf. Und beim nächsten Mal hast du wieder eine gute Note. Es gibt sehr, sehr viele Leute, die eine Bauchlandung machen. Die Quote ist 1:10. Das Wort Scheitern ist ohnehin problematisch. Das Wort Misserfolg passt besser, weil du gleich die zwei Seiten der Medaille siehst. Denn im Miss-Erfolg steckt der Erfolg.

Also lieber wie in den USA, wo Scheitern zum guten Ton gehört?

In Amerika gehört Scheitern fast zu einer guten Gründungsgeschichte dazu. Jeder erfolgreiche Gründer muss Geschichten auf Lager haben, wo er es verbaut hat. Erfolg darfst du nicht genießen, wenn du vorher nicht schon zwei Fuckups hinter dir hast. Das ist zu brutal. Wir brauchen das Mittelding.

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(Foto: Michel Penke)

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