Hospital

Die Gesundheitsreform von 2000 sollte die Kliniken effizienter machen. Seitdem regieren in deutschen Krankenhäusern die Controller: So wurden Stellen abgebaut, die Verwaltungen verschlankt und die Behandlungsprozesse verkürzt. Ärzte und Pflegepersonal müssen mit weniger mehr erreichen. Für Kassenpatienten bekommt das Krankenhaus eine Pauschale. Das System, das ursprünglich zur besseren Behandlung von Patienten gedacht war, hat sich schleichend zu einem erdrückenden Einsparprogramm entwickelt. Vier Münchner Klinikärzte berichten anonym von ihrem Arbeitsalltag.

Ich arbeite als Neurologe an einem UniKrankenhaus in München. Die Gesundheitsreform hat sehr viele Dinge in derKlinik verändert. Das beginnt schon beider Verwaltung der Patienten. Alles, wasnicht dokumentiert wird, wird nicht bezahlt. Der Fokus geht heute weg vom Gespräch mit dem Patienten hin zur Dokumentation auf Papier oder im Computer. Nicht nur die Ärzte müssen das machen, auch das Pflegepersonal. Das FallpauschalenSystem ist für den Durchschnittspatienten gestrickt worden. Der Patient, der nicht durchschnittlich ist, fällt durch den Rost. Weil er nicht schnell genug gesund wird oder von vorneherein kostenträchtig ist, weil er beispielsweise verschiedene Erkrankungen gleichzeitig hat. Dann passt er dem Krankenhaus nicht mehr ins Konzept. Das steht nun so nichtwörtlich im Gesetz, aber das bestimmt letztlich das Denken aller Menschen, die in der Klinik arbeiten. Für den Patienten heißt das, dass sein Aufenthalt kälter und unpersönlicher wird. Gesundheit wird heute als Produktionsprozess verstanden.

Herr Dr. Neubauer, einer der Vordenker der Gesundheitsreform, hat damalsgesagt: „Warum soll man sich Gesundheit nicht vorstellen wie einen Produktionsprozess bei BMW?“ Und genau das passiert heute. Vor der Reform habe ich, wenn ich ehrlich bin, nicht überblickt,was das bedeuten wird. Ich fand den Ansatz, Gesundheit auch betriebswirtschaftlich zu betrachten, grundsätzlich gut: Kostensteigerung dämpfen, mehr Effizienz. Aber die Tragweite des Ganzen habe ich damals nicht begriffen.

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