4vy9m98r80_detail_image_60681

Der Informatikunterricht in Deutschland steckt in der Krise. Ob Schüler mit Powerpoint dahinsiechen oder Roboter zum Leben erwecken, entscheidet sich meist am Lehrer. Ein Besuch vor Ort.

 

Markus ist fünfzehn. Wenn er am Morgen aufwacht, checkt er WhatsApp und Snapshot auf dem Smartphone. Auf dem Weg zur Schule schaut er im Gruppenchat der Klasse nach, ob schon jemand am Vertretungsplan war und vielleicht krankheitsbedingt eine Unterrichtsstunde ausfällt.

Markus ist online. Schon immer. Seit er auf die Welt kam, war es da – das Internet. Er skypt, surft und streamt. Wenn man ihm das Netz nähme, wäre das wohl so, als baute man eine Mauer durch die Wirklichkeit. Getrennt von Freunden, abgeschnitten vom Rest der Welt. In der Schule schlurft er ins Computerkabinett. Informatik. Als der Lehrer den Raum betritt, dreht sich die Zeit zurück. Ein ganzes Jahrzehnt. Speckige Office-Programme begrüßen die Schüler. Powerpoint steht auf dem Stundenplan. Seit knapp einem Jahr baut Markus Präsentationen. Jede Stunde erhalten die Schüler ein Thema, in der nächsten stellt einer seine Folien vor. Auf Note. Für Animationen gibt es Pluspunkte. Seit drei Jahren besucht Markus den Informatikunterricht an einem Gymnasium im Nordwesten von Mecklenburg. Zwei Stunden pro Woche. Monatelang Microsoft-Folien. Im Jahr zuvor war Excel dran. Davor Word. Steht so im Lehrplan, sagt der Lehrer. Er ist 50 Jahre alt.

Viren findet Markus spannend. Und wie man sich davor schützt. Oder wie man verschiedene Geräte synchronisiert. Was macht man, wenn der Rechner abschmiert? Wie erstellt man ein Back-up? Das könnte man doch mal im Informatikunterricht behandeln, findet Markus. „Einmal haben wir an einem Projekttag über Datensicherheit und NSA, und so, geredet“, sagt er, „oder was die Facebook-AGBs für uns bedeuten. Das wäre interessant.“ Der Lehrplan sieht das anders.

Weiterlesen