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Mohsen hat auf seiner Flucht alles verloren, die Mutter, den kleinen Bruder, seine Reisetasche. Nun will der 16-Jährige in Berlin zur Schule gehen. Doch die Behörden ließen ihn seit Ostern hängen.

Geh’ nach Berlin, haben sie zu ihm gesagt, als er in Deutschland ankam. Von seinem letzten Geld kaufte Mohsen einen Fahrschein, stieg in den Zug. Stundenlang fuhr er durch dieses Land, das ihm so fremd ist. Richtung jener großen Stadt, von der er nicht viel mehr wusste, als dass es dort besser sein soll. Und dass er seinem Traum ein Stück näher kommen kann: zur Schule zu gehen, Ingenieur zu werden. Mohsen hat sich geirrt.

Wenn er spricht, dann stockend. Den Blick gesenkt, so hat er das als Flüchtling gelernt. Als er zwölf Jahre alt war, hat er Afghanistan verlassen. Vier Jahre hat die Flucht gedauert. Im Dezember 2014 hielt dann sein Zug in einem riesigen Glaspalast, den sie Hauptbahnhof nennen. Das war im Dezember. Am Bahnsteig sprach er auf Persisch einen Jungen an, der ein wenig so aussah wie er. Der Junge antwortete, auch er war Afghane. Ob er einen Ort wisse, wo man hingehen könne, wenn man nicht weiter wisse?

„Ja“, sagte der Junge, „komm mit.“

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